Zahnärzte am Spreebogen | Interview mit Dr. Ludwig Bogner

Sep 15, 2020 | Business

Interview mit Ludwig Bogner

Heute wird im HAUPTSTADTPODCAST gründlich auf den Zahn gefühlt. Und zwar dem Berliner Zahnarzt Dr. Ludwig Bogner. Der Arzt, bei dessen Anblick den Beiden der Mund offen stehen bleibt.

 

Alle Themen des Podcasts mit Dr. Ludwig Bogner im Überblick

  • Der Zahnzauberer stellt sich vor und erzählt, wie seine Wahlheimat Berlin für ihn ist- und wie er dort gelandet ist. (ab Minute 2:20)
  • Zahnputzmythen werden widerlegt, aber die richtigen Tipps vom Profi gibt’s gleich dazu. (ab Minute 10:40)
  • Zahlen, Fakten und Spezialgebiete. Wusstest ihr, wie viel ein Zahnarztstuhl kostet?! (ab Minute 16:45)
  • .. wenn Patienten die Zahnprothese vergessen. Wie Dr. Bogner mit skurrilen Begegnungen umgeht und wer bei ihm alles auf dem Stuhl landet- und warum. (ab Minute 21:10)
  • Dr. Bogner bietet Diversität in seiner Praxis und sucht nach Unterstützung, die nicht auf den Mund gefallen ist (mehr Wortspiele im Podcast, dieses Thema eignet sich wirklich hervorragend). Ein kleiner Aufruf! (ab Minute 28:00)
  • Es wird nochmal nachgebohrt- Wolfgang und Frank wollen Gossip um jeden Preis. (ab Minute 36:10)
  • Dr. Bogner verrät uns seine Lebensziele und -träume
  • Wie Corona die Zahnärzte tangiert hat
  • Und zu guter Letzt: Wer soll demnächst beim HAUPTSTADTPODCAST sitzen? Spoiler: wenn es nach Ludwig geht, wird es politisch. (ab Minute 44:00)

 

Mikro an, Mund auf. Wer ist unser Gast?

Nach dem anfänglichen Komplimente-Sturm von Wolfgang und Frank kommt nun der eigentliche Hauptakteur zu Wort. Der Wahlberliner, geboren 1962 in München, begann sein Zahnmedizinstudium vorerst in Belgien, zog 85 nach Berlin, beendete es dort (Trick 17 um den NC zu umgehen) und schrieb seine Promotion. 1993 eröffnete er seine erste Praxis. Mit seiner Partnerin ist er seit 30 Jahren liiert (ebenfalls Zahnärztin) und ihre gemeinsame Tochter tritt in die Fußstapfen der Eltern und studiert- welch Überraschung- Zahnmedizin. “Ich wollte immer nur, dass sie das macht, was sie glücklich macht.”, betont er. Das Beste an Berlin? “Berlin ist so multikulti, es gibt nicht nur ein Zentrum, sondern man kann überall alles erleben. Kultur, Kiez, Klein-Istanbul.” Irgendwas auszusetzen an der Großstadt? “Definitiv die Parkplatzsituation.” Verständlich.

 

Von Bleaching, Mythen und medizinischer Notwenigkeit. Tipps vom Profi

Der Schönheitswahn entgeht natürlich auch nicht dem Zahnarzt. Während Patienten früher nur wirklich zur medizinischen Notwenigkeit den Zahnarztbesuch wagten, kommen heute viele aus rein ästhetischen Gründen. Er bezieht ganz klar Stellung: “Strahlend weiße Zähne sind unnatürlich. Und: Dass man Zahnschmelz mit bestimmten Zahncremes wieder ‘draufputzen’ kann, ist auch ein Mythos.” Anders als viele andere Ärzte geht er bei ästhetischen Behandlungen wirklich nur so weit, wie er es selbst persönlich vertreten kann. Und was sind DIE drei Tipps vom Spezialisten? “1. morgens und abends putzen 2. Zahnzwischenräume nicht vergessen und 3. Ernährung ist ein wichtiger Punkt, den viele nicht ernst genug nehmen.” Eigentlich ziemlich einleuchtend.

 

Der alte Zahnmedizin-Hase blickt zurück

Dr. Bogner gibt offen zu: der Anfang ist immer schwer, auch für ihn. Er sieht es kritisch, dass die meisten frisch von der Uni nichts über Betriebswirtschaft wissen, obwohl eine Praxis zu leiten so viel mehr sei als nur “Arzt sein”. Kredite, Rechnerei, kein Kundenstamm zu Beginn. Damals ging das meiste noch klassisch über Mund-zu-Mund-Propaganda (es tut mir Leid, aber dieses Thema biete zu viele Steilvorlagen für Wortspiele). Side fact: alleine ein einziger Behandlungsstuhl kostet zwischen 30 und 60000 Euro. Da bleibt mir kurz die Spucke weg- auch ohne dieses furchtbare Absaugegerät beim Zahnarzt. Mittlerweile behandeln in seiner Praxis am Spreebogen fünf Zahnärzte insgesamt etwa 100 Patienten pro Tag, sowohl Kassen- als auch Privatversicherte. Das Besondere: Jeder Arzt hat sein spezielles Fachgebiet, er selbst hat seinen Fokus auf Implantologie und Chirurgie gelegt.

 

Emanzipation im Zahnbereich

.. Oder kann man auch sagen “Mundraum”? Was frühe reine Frauendomäne war, entdeckt nun endlich auch der andere Part der Gesellschaft. Immer mehr Männer werden Zahnarzthelfer, allerdings herrscht allgemein großer Fachkräftemangel in Berlin. Hier also ein Aufruf! Dr. Ludwig Bogner sucht UND bildet gerne neue ZahnarzthelferInnen aus. Entgegen Wolfgangs Vorstellungen sind natürlich nicht alle MitarbeiterInnen von Dr. Bogner blond, demensprechend ist die Praxis offen für Haarfarben und Geschlechter jeder Art. Ganz wichtig mitzubringen ist aber Empathiefähigkeit, um den Patienten die Angst zu nehmen und ein gutes Gefühl zu geben.

 

Ein Runde Schach?

Zu unserem Bedauern hat Dr. Bogner gar nicht allzu viele skurrile Patientengeschichten zu erzählen (die beiden HAUPTSTADTPODCAST-Männer können zu richtigen Gossip-Girls mutieren), dass nicht schon haufenweise Liebesbriefe und Heiratsanträge reingeflattert sind, ist ihnen ein Rätsel. Aber “immerhin”: “Einmal kam ein Patient, der eine schwarze Krone wollte. Und danach eine Füllung mit Schachbrettmuster.” Na wenn schon, denn schon.

 

Von Träumen und kühnen Wünschen

Eine eigens aufgebaute Praxis, Familie, ein Lächeln, das sogar Wolfgang und Frank die Knie weich werden lässt- was könnte sich Ludwig denn überhaupt noch wünschen? Beruflich, so sagt er, habe er alles erreicht, was er wollte. “Privat möchte ich einfach nur glücklich sein.” Zum Abschluss die Frage aller Fragen: Wer soll in die Liste der HAUPTSTADTPODCAST-Gäste unbedingt aufgenommen werden? “Angela Merkel. Oder Thomas de Maizière.” Das lässt sich doch bestimmt irgendwie einrichten.

Clara Grieshaber